Bava Metzia 19

Kapitel 19

א מתניתין מני רבנן היא אלא אי אמרת בעשיר ועני מחלוקת אבל מעני לעני דברי הכל זכה לו הא מני לא רבנן ולא ר' אליעזר
1 unsere Mišna die Ansicht der Rabbanan, wessen Ansicht aber vertritt sie, wenn du sagst, der Streit bestehe über den Fall, wenn ein Reicher für einen Armen, während hinsichtlich des Falles, wenn ein Armer für einen Armen, alle der Ansicht sind, daß er ihn für ihn erworben habe; doch wohl weder die der Rabbanannoch die des R. Elie͑zer!?
ב אמר ליה מתני' דאמר תחילה
2 Dieser erwiderte: Unsere Mišna spricht von dem Falle, wenn er ‘zuerst’ sagt.
ג הכי נמי מסתברא דקתני סיפא אם משנתנה לו אמר אני זכיתי בה תחילה לא אמר כלום תחילה בסיפא למה לי פשיטא אע"ג דלא אמר תחילה תחילה קאמר אלא לאו הא קמ"ל רישא דאמר תחילה
3 Dies ist auch einleuchtend, denn im Schlußsatze lehrt er, wenn er aber, nachdem er ihn ihm gereicht hat, sagt, er habe ihn zuerst erworben, seien seine Worte nichtig. Im Schlußsatze braucht es ja nicht ‘zuerst’ zu heißen, denn auch wenn er nicht ‘zuerst’ sagt, meint er ja zuerst, wahrscheinlich deutet dies darauf, daß auch der Anfangsatz von dem Falle spreche, wenn er ‘zuerst’ gesagt hat. –
ד ואידך תנא סיפא לגלויי רישא סיפא דאמר תחילה רישא דלא אמר תחילה
4 Und jener!? – Er lehrt dies im Schlußsatze zur Erklärung des Anfangsatzes; der Schlußsatz spricht von dem Falle, wenn er ‘zuerst’ gesagt hat, und der Anfangsatz, wenn er nicht ‘zuerst’ gesagt hat.
ה רב נחמן ורב חסדא דאמרי תרוייהו המגביה מציאה לחבירו לא קנה חבירו
5 R. Naḥman und R. Ḥisda sagten beide: Wenn jemand für seinen Nächsten einen Fund aufhebt, so hat dieser ihn nicht geeignet,
ו מאי טעמא הוי תופס לבעל חוב במקום שחב לאחרים והתופס לבעל חוב במקום שחב לאחרים לא קנה
6 weil dies ebenso ist, als würde jemand etwas [vom Schuldner] für einen Gläubiger einhaschen und dadurch anderebenachteiligen, und wenn jemand etwas [vom Schuldner] für einen Gläubiger einhascht und dadurch andere benachteiligt, so hat er es nicht geeignet.
ז איתיביה רבא לרב נחמן מציאת פועל לעצמו
7 Raba wandte gegen R. Naḥman ein: Der Fund eines Löhners gehört ihm selber;
ח במה דברים אמורים בזמן שאמר לו בעל הבית נכש עמי היום עדור עמי היום אבל אמר לו עשה עמי מלאכה היום מציאתו של בעל הבית הוא
8 dies nur, wenn der Hausherr zu ihm gesagt hat, daß er heute bei ihm jäteoder grabe, wenn er aber zu ihm gesagt hat, daß er heute für ihn arbeite, so gehört der Fund dem Hausherrn!?
ט א"ל שאני פועל דידו כיד בעל הבית הוא
9 Dieser erwiderte: Anders verhält es sich bei einem Löhner, dessen Hand der des Hausherrn gleicht. –
י והאמר רב פועל יכול לחזור בו אפי' בחצי היום
10 Rabh sagte ja aber, ein Löhner könne sogar in der Mitte des Tages zurücktreten!?
יא אמר ליה כל כמה דלא הדר ביה כיד בעל הבית הוא כי הדר ביה טעמא אחרינא הוא דכתיב (ויקרא כה, נה) כי לי בני ישראל עבדים עבדי הם ולא עבדים לעבדים
11 Dieser erwiderte: So lange er nicht zurückgetreten ist, gleicht seine Hand der Hand des Hausherrn. Zurücktreten aber kann er aus folgendem Grunde; es heißt:<i>denn die Kinder Jisraél gehören mir als Sklaven an, sie sind meine Sklaven</i>, nicht aber Sklaven von Sklaven.
יב אמר ר' חייא בר אבא אמר ר' יוחנן המגביה מציאה לחבירו קנה חבירו ואם תאמר משנתינו דאמר תנה לי ולא אמר זכה לי:
12 R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn jemand für seinen Nächsten einen Fund aufhebt, so eignet ihn dieser. Wenn man aber aus unserer Mišnaeinen Einwand erheben wollte, [so ist zu erwidern:] weil er gesagt hat: reiche ihn mir, er sagte aber nicht: eigne ihn für mich.
יג <big><strong>מתני׳</strong></big> ראה את המציאה ונפל עליה ובא אחר והחזיק בה זה שהחזיק בה זכה בה:
13 <b>W</b><small>ENN JEMAND EINEN</small> F<small>UND SIEHT UND SICH AUF IHN WIRFT, UND EIN ANDERER KOMMT UND</small> [<small>DEN</small> F<small>UND</small>] <small>ERGREIFT, SO EIGNET IHN DER, DER IHN ERGREIFT</small>.
יד <big><strong>גמ׳</strong></big> אמר ריש לקיש משום אבא כהן ברדלא ארבע אמות של אדם קונות לו בכל מקום [מאי טעמא] תקינו רבנן דלא אתי לאנצויי אמר אביי מותיב ר' חייא בר יוסף פיאה אמר רבא מותיב ר' יעקב בר אידי נזיקין
14 GEMARA. Reš Laqiš sagte im Namen des Abba Kahan Bárdela: vier Ellen eines Menscheneignenüberall für ihn alles, [was sich innerhalb dieser befindet.] Die Rabbanan haben dies angeordnet, um Streitigkeiten vorzubeugen. Abajje sagte, R. Ḥija b. Joseph erhob dagegen einen Einwand [aus dem Traktate] vom Eckenlasse, und Raba sagte, R. Ja͑qob b. Idi erhob dagegen einen Einwand [aus dem Traktate] von den Schäden.
טו אמר אביי מותיב ר' חייא בר יוסף פיאה נטל מקצת פיאה וזרק על השאר אין לו בה כלום נפל לו עליה פרס טליתו עליה מעבירין אותו הימנה וכן בעומר שכחה
15 Abajje sagte, R. Ḥija b. Joseph erhob dagegen einen Einwand [aus dem Traktate] vom Eckenlasse: Wenn jemandetwas vom Eckenlasse nimmt und es auf das übrige wirft, so gehört ihm nichts davon; wenn er sich selbst darauf wirft oder darüber sein Gewand ausbreitet, so schaffeman es herunter. Dasselbe gilt auch von der vergessenen Garbe.
טז ואי אמרת ארבע אמות של אדם קונות לו בכל מקום נקנו ליה ארבע אמות דידיה
16 Wenn man nun sagen wollte, die vier Ellen eines Menschen eignen überall für ihn, so sollten ihndoch seine vier Ellen für ihn eignen!? –
יז הכא במאי עסקינן דלא אמר אקני
17 Hier handelt es sich um den Fall, wenn er nicht gesagt hat, er wolle dadurch eignen. –
יח ואי תקון רבנן כי לא אמר מאי הוי
18 Was ist denn dabei, wenn die Rabbanan es angeordnet haben, daß er es nicht gesagt hat!? –
יט כיון דנפל גלי דעתיה דבנפילה ניחא ליה דנקני בארבע אמות לא ניחא ליה דנקני
19 Wenn er sich darauf wirft, so bekundet er damit, daß er nur durch das Hinauffallen eignen will, nicht aber durch seine vier Ellen.